Kälte zentriert, Energieeffizienz multipliziert

Für die Herstellung von Kunststofffolien wird viel Kälteenergie benötigt. Üblicherweise bedarf jeder Produktionsschritt einer eigenen Kältemaschine. Das bedeutet bei Ausfall, Wartung oder Reparatur der Kältemaschinen entweder den teuren Produktionsstillstand oder das aufwändige Beschaffen einer Ersatzanlage.

Ein spannendes Praxisbeispiel zur Effizienzsteigerung kommt aus Bayern. Bei der Ecoform Multifol Verpackungsfolien GmbH & Co. KG ersetzt heute eine zentrale Kälteversorgung mit einer Kaltwasserverteilung mit etwa drei Megawatt Kälteleistung für den gesamten Betrieb die alte Anlage. Zahlreiche Maßnahmen summieren sich nun zu einer hocheffizienten Kälteversorgung. Die Vorlauf-/Rücklauftemperaturen der Kaltwasserversorgung wurden auf 10/16 Grad Celsius angehoben, wodurch der Anteil der "Freikühlung" an der gesamten Kühlenergie deutlich angehoben werden konnte. Außerdem erzeugen jetzt zwei Turbo-Schraubenkompressoren, die auch im Teillastbereich effizient arbeiten, die Kälte. Die Rückkühlung erfolgt durch vier trockene Rückkühler, deren Ventilatoren abhängig von der Außentemperatur stufenlos regelbar sind. Die Pumpen in den Verbraucherkreisen und dem Rückkühlkreislauf werden bedarfsgerecht geregelt. Um Leistungsspitzen zu puffern, wird ein Kaltwasserspeicher mit 15 Kubikmeter Wasser eingesetzt. In der kalten Jahreszeit heizt ein Teil der Abwärme das Gebäude.

Für Freunde des Details: Die Messungen ergaben eine Systemarbeitszahl von ungefähr 6 (im Vergleich: das Bundesumweltamt setzt für Kälteanlagen in der Gummiindustrie eine Arbeitszahl von 2 an). Aus den Messungen bei Ecoform Multifol wird die Erzeugung von 10,5 Gigawattstunden Kälte und 5,6 Gigawattstunden Wärme, sowie eine Einsparung von 3,2 Gigawattstunden Stromenergie pro Jahr prognostiziert. Dadurch kann die Emission von 1.555 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden.