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06.10.2009 - Die Welt dreht sich weiter schmutzig
KRAUCHENWIES - Zu einem Energieforum fanden sich auf Einladung des Landkreises Experten und Interessenten am Montagnachmittag in Krauchenwies zusammen. Schockierend das, was die Experten zu Fragen globaler Energiethemen ausführten. Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) schlug vor ihrem Abflug zu den Koalitionsverhandlungen ein paar „energetische Pflöcke“ ein.Landrat Dirk Gaerte konnte zum Energieforum im Landkreis Sigmaringen Topreferenten und eine interessierte Zuhörerschaft im gut gefüllten Waldhornsaal begrüßen. Den Landkreis stellte Gaerte, zugleich stellvertretender Vorsitzender der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke, zu Beginn als offen für regenerative Energien dar. Dies spiegle auch das vom Kreistag beschlossene Zehn-Punkte-Programm zur Einsparung von CO2 wider.
Ein Gefühl für die Komplexität des Themas vermittelte der Franzose Christian Buchel vom Vorstand der EnBW. Ein Verbund aus Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit sei die Messlatte für den Energiemix der Zukunft. Mit der Hoffnung, den weltweiten CO2-Ausstoß in den nächsten Jahrzehnten in den Griff zu bekommen, räumte er auf.
Ein Jahrhundert der Kohle
Die asiatischen Länder würden ihren enormen Bedarf an Energie in den nächsten Jahrzehnten vornehmlich durch Kohle decken und damit auch zur weiteren Erderwärmung ganz wesentlich beitragen. Erneuerbare Energien, in Europa durch politische Entscheidungen mit hoher steuerlicher Belastung jedes Einzelnen durchgesetzt, hätten in China und Indien als industrielle Hochburgen keine Chance auf adäquate Umsetzung.
Manfred Wiegand, Leiter des Bereichs Energieversorgung der Beratungsgesellschaft „PricewaterhouseCoopers“ räumte mit dem über Jahre so hoch gelobten Kyoto-Protokoll und seinen Klimazielen auf: „Es ist schlichtweg gescheitert.“ Ein Seitenhieb auch in Richtung westlicher Industriestaaten. Deren Nachfrage löse letztlich die CO2-Emissionen in den Schwellenländern aus. In der Windenergie sieht Wiegand einen enormen Wachstumsmarkt.
Tanja Gönner in Schwarz-Gelb
Umweltministerin Tanja Gönner, schwarzer Hosenanzug, gelbes Top, brach für die erneuerbaren Energien eine Lanze. Dies werde sie auch bei den gestern in Berlin begonnenen Koalitionsverhandlungen in der Fachgruppe Umwelt deutlich machen. Die in die Diskussion geratene Absenkung der Vergütungssätze für Solarstrom hält die Ministerin für „nicht sachgerecht und überdies geradezu gefährlich“. Schließlich „zählen in dieser Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts im Land ansässige Unternehmen zu den Weltmarktführern“. Sorgen bereiten ihr die Folgen des Klimawandels auch im Südwesten. Ein Topthema bleibt für Gönner die energetische Modernisierung. Sie sieht dabei die Kommunen in einer Vorreiterrolle.
Den Begriff eines „optimierten Energiemanagements“ hat bereits Walter Göppel, Geschäftsführer der Energieagentur, in seinem Vortrag hervorgehoben und mit zahlreichen Beispielen unterlegt. So würden Serveranlagen in Unternehmen und Behörden an Wochenenden munter vor sich hinlaufen und Einsparpotentiale von 30 bis 70 Prozent noch nicht genutzt. Die Energieagentur biete hier in 31 Beratungsstellen der angeschlossenen Landkreise „geldwerte“ Hilfe an.
In der abschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Professor Marcus Mattis machte Professor Franz-Josef Kuhn von der Fachhochschule Albstadt-Sigmaringen seinem Ärger über „Freie Künstler“ bei der Montage von Solaranlagen in der Region Luft. Auch hier, so Göppel, sei die Energieagentur „am Ball“.
Schwäbische Zeitung, Sigmaringen; 6. Oktober 2009, Arno Möhl
